Unter einem Dach: Zoll und Wirtschaft bereiten sich gemeinsam auf Passar 1.0 vor

Passar 1.0

Die Digitalisierung im Zollwesen schreitet unablässig voran. Für die erfolgreiche Einführung digitaler Verfahren sind Anstrengungen aller beteiligten Akteure vonnöten. Deshalb arbeitet das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) eng mit der Wirtschaft zusammen. Am 20. Oktober 2022 fand ein Workshop der Arbeitsgruppe Software-Entwicklung statt, um den Austausch im Hinblick auf die Einführung von Passar 1.0 weiter zu intensivieren.

08.11.2022, Alain Dulio

Passar

«Passar» ist die Bezeichnung des neuen Warenverkehrssystems des BAZG. Bis Ende 2026 werden alle Zoll- und Abgabenerhebungsprozesse schrittweise vereinfacht, möglichst harmonisiert und durchgehend digitalisiert. «Mit Passar und seinen Umsystemen wird der Warenprozess und somit der Grenzübertritt noch schneller und effizienter gestaltet», sagt Fredy Weissenbrunner, Verantwortlicher Passar beim BAZG. «Die Digitalisierung im Zollwesen bietet uns Spediteuren die Chance, weniger Papier zu verbrauchen und die Verfahren zu beschleunigen», urteilt Mario Caccivio, Kommissionsleiter Zoll beim Verband schweizerischer Speditions- und Logistikunternehmen SPEDLOGSWISS.

Die Einführung von Passar erfolgt in mehreren Etappen. Der erste Release «Passar 1.0» wird am 1. Juni 2023 eingeführt und deckt die Durchfuhr und die Ausfuhr ab. «Es wird in einer ersten Phase einen Parallelbetrieb der neuen und alten Systeme geben. Dies gibt allen Beteiligten genügend Zeit für die Umstellung. In gewisser Hinsicht kann Passar 1.0 als nationaler Pilot betrachtet werden. Wir wollen gemeinsam mit der Wirtschaft Erfahrungen sammeln und die Lessons Learned direkt in die Weiterentwicklung von Passar einfliessen lassen», so Fredy Weissenbrunner weiter.
«Dank weiterer Lösungen wie der App Activ können die Grenzprozesse aufgrund der automatischen Aktivierung von Warenanmeldungen um ein Vielfaches beschleunigt werden, wie erste Pilotversuche, u.a. im Tessin , gezeigt haben. Neben den offensichtlichen Vorteilen für die Wirtschaft und den Zoll profitieren auch die Bevölkerung sowie die Umwelt davon».

«Es geht nur gemeinsam»

Durchgehende digitale Prozesse im Handelswarenverkehr, automatische Aktivierung von Warenanmeldung – das klingt komplex und technisch. «Das ist es auch! Darum gelingt die Einführung nur in enger Zusammenarbeit mit allen Akteuren. Einerseits müssen unsere Verfahren mit denjenigen unserer Nachbarstaaten abgestimmt sein. Andererseits müssen die IT-Systeme der Wirtschaftsbeteiligten mit den unsrigen kommunizieren können. Es geht nur gemeinsam». «Es braucht den Einsatz von uns allen: von den Zollkunden, von uns Software-Anbietern, aber vor allem auch vom BAZG, damit wir das Projekt erfolgreich am 1. Juni 2023 starten können», bilanziert Jürg Zellmeyer, Product Manager Customs Applications bei SISA Studio Informatica SA.

Das BAZG arbeitet deshalb auf verschiedenen Ebenen mit der Wirtschaft  zusammen und hat verschiedene Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, unter anderem die Arbeitsgruppe Software-Entwicklung. Diese besteht aktuell aus rund 50 Firmen, die Software-Lösungen im Zollbereich für ihre Kunden wie beispielsweise Speditionen und Exporteure entwickeln. «In der AG Software-Entwicklung tauschen wir uns eng zu Prozessen und vor allem zu technischen Spezifikationen aus. Inzwischen kommunizieren wir täglich über eine Online-Plattform miteinander. Wir arbeiten sehr konstruktiv zusammen und es herrscht ein sehr offener, reger und intensiver Austausch. Wir spiegeln die Prozesse, besprechen Probleme, suchen nach Lösungen», beschreibt Weissenbrunner die Arbeitsweise der AG.

Workshop der AG Software-Entwicklung

Obwohl die Arbeitsgruppe bereits vor drei Jahren gegründet wurde und sich der Online-Austausch seitdem intensiviert hat, haben sich die Mitglieder am 20. Oktober 2022 zum ersten Mal vor Ort für einen ganztätigen Workshop getroffen. «Einerseits pandemiebedingt, aber auch weil es Vertreterinnen und Vertreter aus dem Ausland hat, haben wir uns bisher fast ausschliesslich online ausgetauscht. Jetzt war der richtige Moment gekommen, um alle gemeinsam vor Ort zu treffen. Die Software-Entwickler bauen jetzt ihre technischen Lösungen für Passar. Es war wichtig, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, bevor die Entwicklung in die heisse Phase geht».

Am Ende eines sehr intensiven Workshops resümiert Weissenbrunner: «Der Workshop war sehr interessant. Es gab einige Diskussionen, die konstruktiv aber auch kritisch waren. Das ist auch richtig so. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden zeigen aber, dass wir auf dem richtigen Weg sind».

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Positives Fazit der Teilnehmenden zum Schluss des Workshops vom 20. Oktober 2022.
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