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Veröffentlicht am 31. März 2026

Was vom Aussterben bedrohte Vikunjas in Peru mit dem Schweizerischen Zollmuseum zu tun haben

Zum Saisonstart des Schweizerischen Zollmuseums am 5. April haben wir mit Bruno Mainini vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) über das Artenschutz-Abkommen CITES gesprochen, da seine nachhaltige Nutzung der Tier- und Pflanzenpopulationen unseres Planeten sowie deren Erhaltung sicherstellen soll.

31.03.2026, von Nadia Passalacqua

Nach dem grossen Erfolg der letztjährigen Ausgabe zeigt das Schweizerische Zollmuseum auch in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem BLV die Ausstellung «Artenschutz geht uns alle an» zum CITES-Abkommen. Wir haben darüber mit Bruno Mainini vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) gesprochen.

Herr Mainini, welche Arten sind heute am meisten von illegalem Handel betroffen?

Weltweit sind dies die Schuppentiere, Haie und Elefanten aber auch Tiere für den privaten Bedarf wie verschiedene Reptilien und Amphibien. Verschiedene Holzarten sind ebenfalls stark davon betroffen. In der Schweiz geht es hauptsächlich um Korallen, lebendige Reptilien und verarbeitete Produkte, aber auch um Papageien, Kaviar und Shahtoosh-Schals.

Was ist heute, 50 Jahre nach seinem Inkrafttreten, der Hauptzweck von CITES?

CITES ist ein Artenschutz-Abkommen, das das Ziel verfolgt, eine nachhaltige Nutzung der Tierarten und Pflanzensorten sicherzustellen. Der Alligator zum Beispiel war vor 50 Jahren massiv bedroht, während heute Millionen davon in freier Wildbahn leben. Eine kontrollierte Nutzung schützt die Arten meistens besser als jegliche Verbote. Zurzeit reguliert CITES den Handel mit über 40 000 Tierarten und Pflanzensorten.

Zwei Personen unterhalten sich in einer Ausstellung des Zollmuseums. Im Hintergrund sind verschiedene Exponate wie Tierpräparate, Diagramme und Informationstafeln zu sehen. Im Vordergrund befindet sich ein grosses Objekt aus einem Tierfuss in einer Vitrine.

Welches sind heute die meistgenutzten Kanäle für den illegalen Handel?

Beim illegalen Handel spielt natürlich das Internet eine wichtige Rolle, vor allem wenn es um den Informationsaustausch geht. Letzten Endes jedoch müssen die Produkte oder die lebendigen Exemplare immer physisch geschmuggelt werden, so wie jede andere Schmuggelware auch. Elfenbein wird zum Beispiel in Schiffscontainern geschmuggelt. Die lebendigen Exemplare werden in Fahrzeugen versteckt, und das von den CITES-Beschränkungen betroffene Holz wird als nicht geschütztes Holz deklariert.

Über welche konkreten Instrumente verfügen die Behörden um das internationale Artenschutz-Abkommen CITES durchzusetzen?

Jedes Land muss nationale Rechtsvorschriften bezüglich CITES erlassen. In der Schweiz können Verstösse mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit einer Busse in der Höhe von bis zu einer Million Franken belegt werden. Zu diesem Zweck arbeiten die nationalen CITES-Behörden mit der Polizei, dem Zoll und auch mit INTERPOL zusammen. Wird beispielsweise festgestellt, dass eine CITES-Behörde nicht richtig funktioniert oder sogar korrupt ist, so kann gegen das betreffende Land ein Handelsverbot für CITES-Waren verhängt werden. Das gilt nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis. Aktuell sind mehr als zehn Länder von einem solchen Handelsverbot betroffen.

Welche Rolle spielt die Technologie in diesem Bereich, beispielsweise bei der Nachverfolgung illegaler Tiere und Produkte?

Die Technologie kann in verschiedenen Bereichen hilfreich sein. Zum Beispiel tragen Software-Programme dazu bei, dass wir die Daten besser auswerten und damit Risikoprofile erstellen können. Vor allem wenn immer weniger Personal zur Verfügung steht, ist es wichtig, dass risikobasierte Kontrollen durchgeführt werden können. Es kommen aber auch technische Instrumente wie Mikroskope zum Einsatz. Auch Laboranalysen werden durchgeführt. Hunde sind natürlich keine technischen Hilfsmittel, aber sie können eingesetzt werden, um CITES-Waren aufzuspüren.

Welche sind aktuell die drängendsten Herausforderungen für die CITES-Behörden?

Eine der zentralen Herausforderungen besteht darin, dass die CITES-Behörden weltweit mit Budgetkürzungen konfrontiert sind, die ihre Wirksamkeit beeinträchtigen. Auch synthetische Produkte, zum Beispiel mithilfe von 3D-Druckern erstellte Nashornhörner, stellen uns vor Probleme. Eine weitere Schwierigkeit stellt die stetig steigende Anzahl kleiner Pakete und grosser Container dar, welche die physischen Kontrollen immer mehr erschweren.

Wie stark belastet der Klimawandel den Artenschutz und inwiefern tangiert er den Auftrag von CITES?

Die Zerstörung der Lebensräume und auch der Klimawandel haben natürlich einen grösseren Einfluss auf viele Tierarten und Pflanzensorten als der legale und der illegale Handel mit ihnen. Aus diesem Grund fallen lediglich diejenigen Arten unter die Bestimmungen von CITES, bei denen der Handel eine wichtige Rolle spielt.

Wie kann man die breite Öffentlichkeit dafür sensibilisieren?

Je mehr Personen über CITES informiert sind, desto besser funktioniert es. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Leute in der Schweiz viel besser über den Artenschutz Bescheid wissen als in den meisten anderen Ländern. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass auch die zuständigen Behörden wie unser Amt oder der Zoll regelmässig darüber informieren. Natürlich sind auch die Ausstellungen besonders wertvoll, da sie über einen längeren Zeitraum hinweg ein breites Publikum erreichen. Das Zollmuseum in Gandria kann als absoluter Glücksfall bezeichnet werden, da die aktuelle Ausstellung das Thema auf eine spannende Art und Weise behandelt und Tausende von Besucherinnen und Besuchern ihren Bekannten und Verwandten davon erzählen und den Effekt der Ausstellung dadurch noch vervielfachen. Informierte Leute führen nur zugelassene Gegenstände mit sich. Das erspart uns überflüssige Arbeit, und wir können uns stärker auf diejenigen Personen konzentrieren, die bewusst illegal handeln.

Ein Mann betrachtet eine Vitrine mit beschlagnahmten Gegenständen aus geschützten Tierarten. In der Vitrine befinden sich unter anderem eine Krokodilledertasche, ein Elfenbeinfächer, ausgestopfte Tiere und weitere Objekte. Ein Schild weist auf die Bedeutung des Artenschutzes hin.

Was hat Sie dazu motiviert, sich in diesem Bereich zu engagieren?

Ich verbringe viel Zeit in der Natur, und mir gefällt es, Tiere zu beobachten und Pflanzen zu bestaunen. Ich wünsche mir, dass auch meine Kinder und deren Kinder dies in Zukunft tun können. Sich für eine nachhaltige Nutzung der Natur einzusetzen, ist eine Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, und CITES ist dafür weltweit das wichtigste Instrument.

Gibt es eine Tierart oder eine Geschichte aus Ihrer Tätigkeit, die Sie besonders bewegt hat?

Da könnte ich viele Fälle nennen. Vor wenigen Jahrzehnten waren zum Beispiel die Vikunjas in den Anden vom Aussterben bedroht. Heute findet man sie in vielen Gebieten wieder, aus denen sie zuvor verschwunden waren. Der Hauptgrund dafür ist, dass die lokale Bevölkerung die Tiere einmal im Jahr scheren und mit deren äusserst feiner Wolle etwas verdienen kann. Dadurch verbessert sich das Leben der ländlichen Bevölkerung im Hochland und daher setzt sich diese auch aktiv für den Schutz dieser Tiere ein. Vor zwei Jahren hatte ich das Glück, in Peru mit dabei sein und mithelfen zu dürfen. Die Vikunjas in Freiheit wiederzusehen und gleichzeitig festzustellen, dass es den Leuten, die in demselben Gebiet leben, ebenfalls besser geht, hat mir vor Augen geführt, wie bedeutsam meine Arbeit ist. Das gibt mir ein gutes Gefühl.

Wenn Sie eine Sache im weltweiten System des Tierschutzes ändern könnten, was wäre das?

Der Artenschutz kann zwar am Schreibtisch geplant werden, aber er muss vor Ort umgesetzt werden. Ohne den Einbezug der lokalen Bevölkerung ist es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, den Artenschutz sicherzustellen. Glücklicherweise gibt es immer mehr Leute, die das verstehen.

Zwei Personen unterhalten sich in einem Museum vor Vitrinen mit Schmetterlingen und Muscheln. Die Szene wirkt freundlich und interessiert, beide Personen scheinen in ein Gespräch über die Ausstellung vertieft zu sein. Im Hintergrund sind weitere Exponate und Informationstafeln sichtbar.

Saisonstart des Schweizerischen Zollmuseums am 5. April

Die neu inszenierte Ausstellung «Artenschutz geht uns alle an», die in Zusammenarbeit mit dem BLV realisiert wurde und im Schweizerischen Zollmuseum in Cantine di Gandria zu sehen ist, illustriert die verschiedenen Aspekte des CITES-Abkommens und sensibilisiert die Besucherinnen und Besucher für die Einhaltung der Einfuhrbestimmungen und die wichtige Rolle des BAZG in diesem Bereich. Weiterhin zu sehen sind zudem die Ausstellung «Eine Geschichte von Armut und Verfolgung» und die Fotoausstellung «Migration». Das Museum läutet die neue Saison am Ostersonntag, den 5. April, ein und ist bis zum 18. Oktober 2026 immer dienstags bis sonntags, von 12.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.