Von der «Grenzwachtkaserne» zum «Campus EZV» (Teil 2)

2019 werden an den Gebäuden und auf dem Areal des Campus EZV Ausbesserungs- und Instandhaltungsarbeiten ausgeführt. Aus diesem Anlass beleuchten wir in einer dreiteiligen Serie die Ursprünge des heutigen Campus EZV und seine Entwicklung. Der zweite Beitrag erzählt, wie aus der «Grenzwachtkaserne» eine «Zollschule» wurde.

23.01.2019, Attila Lardori, Chef Betrieb Campus EZV  

«In Liestal ging vor kurzem ein Kurs für Grenzwächter zu Ende. Versteifender Drill wechselte mit lockernden Sportarten. Der Kampf gegen Schmuggler hat seine Romantik zum grossen Teil verloren, er ist zu einer Art Kleinkrieg geworden». Dieses Intro aus einer Schweizer Filmwochenschau der 1940er-Jahre bringt die Situation auf den Punkt. 1943 war die Zentralisierung der Ausbildung der «Zivilbeamten» mit der Verlegung in die «Grenzwachtkaserne» in Liestal abgeschlossen. Diese Zusammenlegung ging einher mit einer stetigen Professionalisierung der Ausbildung, die den immer höheren Anforderungen an das Zollpersonal gerecht werden musste. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) musste die Zollverwaltung immer mehr Aufgaben übernehmen, vor allem volkswirtschaftlicher Natur und «militärischer Art». Einen hohen Blutzoll musste mit 10 getöteten Grenzwächtern in den 1940er-Jahren das Grenzwachtkorps (GWK) leisten.    

Grenzwaechter von 1940 Originalbild
Grenzschutz in den 1940-er Jahren im Tessin

Und wieder wird es knapp

Die zusätzliche Verlegung der Kurse für das «Zivilpersonal» in die stark belegte «Grenzwachtkaserne» führte zu einer Verknappung des Platzes. Die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) musste bei der Gemeinde Liestal um einen Ausbau der Grenzwachtkaserne nachsuchen. Und wieder bot die Gemeinde Liestal Unterstützung an und zwar in der Person des damaligen Stadtpräsidenten und FDP-Ständerates Paul Brodbeck. Im Jahre 1948 wurde mit dem Umbau des Gebäudes begonnen. Die Lokale im Erdgeschoss, bisher für die Aufbewahrung von Korpsmaterial der Armee verwendet, wurden in Lehr-, Ess- und Unterkunftsräume umgebaut. Es wurde ein Raum für Konferenzen geschaffen, die Zimmer erhielten ein «wohnliches Aussehen», in den Theoriesälen wurden Röhrenbeleuchtungen eingerichtet, um die «Augen zu schonen».

Unterkünfte in der Grenzwachtkaserne Liestal
Unterkünfte in der Grenzwachtkaserne Liestal

Eine Art Universität für wirtschaftliche Landesverteidigung

Am Mittwoch, dem 12. Oktober 1949, war es dann soweit. Im Beisein von Bundespräsident Ernst Nobs, dem Generalstabschef der Armee, Oberstkorpskommandant Louis de Montmollin sowie Vertretern der Bundes-, Kantons- und Gemeindebehörden weihte der damalige Oberzolldirektor Ernst Widmer den neuen «Zweckbau» ein, der «fürderhin den Namen Zollschule tragen soll», wie er in seiner Rede betonte.

Die Einweihung der «Eidgenössischen Zollschule» fand in den regionalen und nationalen Medien ein grosses Echo, sowohl in der Deutschschweiz, wie auch in der Romandie. So unter anderem im «Der Bund», in den «Basler Nachrichten», der «Tribune de Genève» oder im «Feuille d’Avis de Neuchâtel». Auch die Schweizer Wochenschau erwähnte die Eröffnung mit einem Beitrag und bezeichnete die Zollschule gar als «eine Art Universität für wirtschaftliche Landesverteidigung».

Eidgenössische Zollschule in Liestal
Die Eidgenössische Zollschule in Liestal

Gefallene Grenzwächter, gefallener Oberzolldirektor

In Zusammenhang mit dem Ausbau der Grenzwachtkaserne zur «Eidgenössischen Zollschule» setzte die Oberzolldirektion noch ihren Wunsch um, den in den 1940er-Jahren gefallenen Grenzwächtern, «die ihr meist noch junges Leben in treuer Pflichterfüllung für ihr Vaterland hergeben mussten», ein bleibendes Denkmal zu setzen. Der Gedenkstein mit der Darstellung des Seitenprofils eines Grenzwächters steht noch heute auf dem Gelände des Campus EZV. Geschaffen wurde der Stein von Hedwig Frei, einer Bildhauerin aus Basel. 2017 wurde das Denkmal auf Initiative eines Grenzwachtoffiziers hin mit einer Gedenktafel ergänzt, die den Namen aller 38 im Dienst gefallenen Grenzwächter von 1916 bis 2001 trägt.  

Gedenkstein für die gefallenen Grenzwächter Liestal
Gedenkstein für die gefallenen Grenzwächter

Im Jahr 1955 rückte die Eidgenössische Zollschule nochmals kurz in den medialen Fokus. In einem aufsehenerregenden Prozess, der sogar im historischen Lexikon der Schweiz Eingang gefunden hat, wurde Oberzolldirektor Ernst Widmer zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Unter anderem auch wegen der fortgesetzten und wiederholten Veruntreuung von Geldern, auch solchen der Zollschule.

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