Von der «Grenzwachtkaserne» zum «Campus EZV» (Teil 1)

2019 werden an den Gebäuden und auf dem Areal des Campus EZV Ausbesserungs- und Instandhaltungsarbeiten ausgeführt. Aus diesem Anlass beleuchten wir in einer dreiteiligen Serie die wichtigsten Etappen der Geschichte, die von der «Grenzwachtkaserne» zum heutigen «Campus EZV» geführt haben.

27.11.2018, Attila Lardori, Chef Betrieb Campus EZV

Die zentrale Ausbildungsstätte für Generationen von Mitarbeitenden der EZV wurde aus der Not geboren. Die «Stunde Null» war der 12. September 1848, als sich die Schweiz mit der Bundesverfassung vom losen Staatenbund zum Bundesstaat wandelte und das Zollwesen von den Kantonen zum Bund überging. Dies war auch die Geburtsstunde der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV), damals noch «Handels- und Zolldepartement» genannt.  

Bundesrat Friedrich Frey-Hérosé
Bundesrat Friedrich Frey-Hérosé, erster Vorsteher des Handels- und Zolldepartements

Doch die Übernahme der kantonalen Zollstrukturen gestaltete sich schwierig. In seiner Botschaft vom 7. April 1849 zum ersten Zollgesetz beschrieb der Bundesrat die Probleme, darunter u. a. «die Verschiedenheit des Verfahrens in Zollsachen in den Kantonen», die «bedeutenden Anforderungen» und auch die «wenigen Erfahrungen» (vgl. Zollrundschau Sonderausgabe 02/94). Gelöst wurde dieses Dilemma mit «Grenzschutzverträgen», welche die Kantone «zum polizeilichen Schutze der Zollbeamten und ihrer Amtsgeschäfte» durch kantonale «Landjäger» verpflichtete. Diese föderalistische Lösung führte in der Praxis aber immer wieder zu Problemen, so dass die Grenzschutzverträge schrittweise aufgehoben wurden. Am 1. Januar 1894 übernahm dann das «Eidgenössische Grenzwachtkorps» (GWK) die «Sicherung der gehörigen Zollentrichtungen» und die «polizeiliche Unterstützung des Zolldienstes», was «der Würde der Eigenossenschaft angemessen» betrachtet wurde. Der Zoll war nun gänzlich in Bundeshand.

Grenzwächter um 1898
Grenzwächter um 1898

Learning by doing

Im Bereich der Ausbildung wirkte der «Föderalismus» aber auch nach 1894 noch lange nach. Das Zollpersonal aller Kategorien wurde auf den Zollämtern dezentral ausgebildet. Die Zollbeamten und Grenzwächter mussten sich ihr Wissen und Können im praktischen Dienst erwerben, für periodisch stattfindende Prüfungen war keine einheitliche Ausbildung vorgesehen. Einen Vorteil hatten hier zu Beginn lediglich die kantonalen Zollbeamten, die nach 1848 von der Eidgenossenschaft übernommen worden waren. Alle anderen mussten sich ihr Wissen selber aneignen. Entsprechend gestaltete sich auch die Rekrutierung. Wer lesen, schreiben und rechnen konnte, wurde mehr oder weniger an Ort und Stelle eingestellt. Eine «tüchtige Schulbildung» sowie eine »geläufige und schöne Handschrift» rundeten das Kandidatenprofil ab.

Weinverzollung am Grenzübergang Lysbüchel um 1915
Weinverzollung am Grenzübergang Lysbüchel um 1915

Erste Zentralisierungstendenzen

Nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) zeigte sich rasch, dass dieses dezentrale System nicht mehr funktionierte. Die «verfeinerte Zollerhebung» und die Übernahme von neuen Aufgaben führte zu Zentralsierungen der Ausbildung.

Bereits 1896 war in Chène-Bourg (GE) ein erstes regionales «Grenzwächter-Depot» errichtet und die Rekruten durch erfahrene Grenzwächter in den Dienst eingeführt worden. Drei Jahre später wurde in Kreuzlingen (TG) ebenfalls ein regional zentralisierter Ausbildungskurs durchgeführt, gefolgt von einer erneuten Phase mit dezentralen Ausbildungsstrukturen auf den einzelnen Zollstellen. Zwischen 1912 und 1920 führte das GWK zeitweise wieder zentrale Kurse durch, so in Perly (GE), in Basel (BS) und auf dem Monte Ceneri (TI).

1926 begann auch der Zoll damit, in den «Zollzentren» von Basel, Schaffhausen und Genf die ersten «Ausbildungskurse für Zivilbeamte» durchzuführen. Die neu eintretenden Beamten wurden nicht mehr einzeln, sondern klassenweise angestellt. Neben der praktischen Arbeit mussten sie wöchentlich mehrere Theoriestunden besuchen, die von erfahrenen Zollbeamten geleitet wurden.

Ein Jahr später zog das GWK nach, nachdem es bereits 1920 eine zentrale Dienststelle «Rekrutierung und Grenzbewachung» geschaffen hatte. In der Kaserne «Plainpalais» bei Genf wurde erstmals eine «zentrale Rekrutenschule» für alle Grenzwächter aus den damals sechs Zollkreise durchgeführt. Das Instruktorenteam bestand aus 14 Personen, die Kursdauer betrug zu Beginn drei, später dann vier Monate und war in vier Phasen aufgeteilt. Diese Schule war ein voller Erfolg, auch wenn die Infrastruktur vor Ort gerade mal knapp geeignet war. Denn die Theorieräume waren in den ehemaligen Pferdestallungen untergebracht, übernachten mussten die Rekruten in riesigen Schlafsälen über der Reithalle. Trotz dieser Einschränkungen wurde dieses Ausbildungskonzept beibehalten.
 

Rekrutenschule des GWK in der Kaserne Plainpalais
Die erste zentrale Rekrutenschule des GWK in der Kaserne Plainpalais in Genf

Der Sprung nach Liestal

Wie aber verschob sich die Ausbildung nach Liestal? Dass ab 1934 Generationen von Mitarbeitenden der EZV ihre Ausbildung im beschaulichen Baselbieter Kantonshauptort besuchen durften, ist aus der Not geboren. In diesem Jahr hätte in Genf nämlich die zweite Rekrutenschule des GWK durchgeführt werden sollen. Doch die Unterbringung war aus Platzgründen nicht mehr möglich. So suchte die EZV einen neuen Standort, was gar nicht so einfach war. Denn dieser sollte in der Nähe der Grenze gelegen, und für praktische Übungen per Fahrrad ohne allzu grossen Zeitverlust erreichbar sein. Die Wahl fiel auf Liestal; Dies aufgrund der geografischen Nähe zu den Grenzabschnitten Riehen und Allschwil, vor allem aber auch wegen des Entgegenkommens der kommunalen und militärischen Behörden vor Ort. So teilten sich das GWK und die Armee die Kaserne in Liestal, bis auch hier der Platz knapp wurde und Rekrutenschulen zeitweise sogar in die Festung St. Luzisteig verlegt werden mussten.

Schiessausbildung am Leichten Maschinengewehr (LMG)
Schiessausbildung am Leichten Maschinengewehr (LMG)

Im «Gitterli»

Auch in dieser Situation bot Liestal wieder Hand. Nicht nur, dass die Gemeinde der EZV das ehemalige städtische Zeughaus beim «Gitterli-Exerzierplatz» überliess. Es baute dieses Magazin sogar zu einer Grenzwachtkaserne aus, die 1938 vom GWK bezogen werden konnte. Als dann 1943 auch die Zentralisierung der Ausbildung der «Zivilbeamten» angeordnet wurde, war es naheliegend, die mehrmonatigen Einführungskurse in Liestal durchzuführen. So wurde die «Grenzwachtkaserne» beim «Gitterli» zur eigentlichen «Zollschule».

Grenzwachtkaserne beim Gitterli-Exerzierplatz in Liestal
Die Grenzwachtkaserne beim Gitterli-Exerzierplatz in Liestal
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